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Schutz & Hilfe in der Schweiz

Schutz vor Menschenhandel und sexueller Ausbeutung

Warnzeichen erkennen. Sich schützen. Hilfe holen. Diese Seite richtet sich an Menschen, die bedroht, getäuscht, kontrolliert oder zur Prostitution beziehungsweise zu anderen Tätigkeiten gezwungen werden – und an Personen, die sich Sorgen um jemanden machen.

Wichtig: Menschenhandel kann auch ohne Grenzübertritt stattfinden. Entscheidend sind Täuschung, Druck, Zwang oder Ausbeutung.
Wenn dein Handy kontrolliert wird: Nutze wenn möglich ein anderes Gerät. Ein schnelles Verlassen dieser Seite löscht deinen Browser-Verlauf nicht automatisch.

Warnzeichen erkennen

Ein einzelnes Zeichen beweist noch keinen Menschenhandel. Mehrere Hinweise zusammen sind ernst zu nehmen.

Dokumente werden weggenommen

Pass, Ausweis, Bankkarte oder Handy werden einbehalten oder nur kontrolliert herausgegeben.

Bewegungsfreiheit wird eingeschränkt

Du darfst nicht frei gehen, wirst begleitet, überwacht oder musst ständig deinen Standort melden.

Drohungen und Angst

Drohungen gegen dich, Kinder, Familie oder Angehörige im Herkunftsland. Auch Erpressung mit Fotos oder Schulden.

Versprechen ändern sich

Arbeit, Lohn, Unterkunft oder Aufgaben sind plötzlich völlig anders als vorher vereinbart.

Schulden werden als Druckmittel benutzt

Fahrt, Unterkunft, Vermittlung oder Kleidung werden zu angeblichen Schulden, die kaum abbezahlt werden können.

Geld wird kontrolliert

Du musst Einnahmen abgeben, hast keinen Zugriff auf dein Konto oder bekommst deutlich weniger als vereinbart.

Sexuelle Handlungen gegen deinen Willen

Jemand bestimmt Kunden, Ort, Zeit, Preise, Leistungen oder zwingt dich, weiterzumachen.

Isolation

Kontakt zu Freunden, Familie, Behörden oder Beratungsstellen wird verhindert oder schlechtgemacht.

Kontrolle durch „Partner“

Eine Liebesbeziehung wird genutzt, um Abhängigkeit aufzubauen, Geld zu verlangen oder dich in Sexarbeit zu drängen.

Typische Maschen und Tricks

Ausbeutung beginnt oft mit Vertrauen, Hilfe oder einem scheinbar guten Angebot.

Zu gutes Jobangebot

  • Ungewöhnlich hoher Lohn ohne klare Aufgaben.
  • Kein schriftlicher Vertrag oder nur fremdsprachige Dokumente.
  • Druck, sofort zuzusagen oder zu reisen.
  • „Wir regeln deine Papiere später.“

Unterkunft gegen Gegenleistung

  • Kostenlose Unterkunft wird angeboten, danach werden Sex, Arbeit oder Geld verlangt.
  • Die Adresse wird geheim gehalten.
  • Du sollst dich bei niemandem melden.

Loverboy-Methode

  • Sehr schnelle, intensive Beziehung.
  • Geschenke und Hilfe schaffen Abhängigkeit.
  • Danach folgen Schulden, Eifersucht, Kontrolle und Druck.
  • Sexarbeit wird als „Beweis der Liebe“ oder Lösung für Geldprobleme dargestellt.

Social Media & Messenger

  • Unbekannte bieten Jobs, Model-Arbeit, Transport oder Unterkunft an.
  • Sie verlangen intime Bilder oder Ausweiskopien.
  • Später drohen sie mit Veröffentlichung oder Weitergabe.

Transport-Falle

  • Eine fremde Person organisiert spontan Fahrt und Unterkunft.
  • Du sollst das Nummernschild nicht fotografieren.
  • Der Zielort wird während der Fahrt geändert.

„Du bist illegal hier“

  • Täter behaupten, du dürftest nicht zur Polizei oder zu Behörden.
  • Sie nutzen Angst vor Aufenthaltsproblemen als Druckmittel.
  • Bei Verdacht auf Menschenhandel kannst du dich direkt an Opferhilfe oder spezialisierte Stellen wenden.

So schützt du dich

Konkrete Vorsichtsmassnahmen, besonders bei neuen Jobs, Transporten und Unterkünften.

  • Gib Pass und Originaldokumente nur an offizielle Schweizer Behörden, wenn dies wirklich nötig ist.
  • Speichere Fotos deiner Ausweise sicher und sende Kopien an eine Vertrauensperson.
  • Teile Adresse, Route und Treffpunkt mit einer Vertrauensperson.
  • Fotografiere vor einer fremden Fahrt das Nummernschild und sende es weiter.
  • Lass dir Arbeitgeber, Adresse, Tätigkeit, Lohn und Arbeitszeit schriftlich geben.
  • Unterschreibe nichts, was du nicht verstehst. Verlange Übersetzung oder Beratung.
  • Zahle keine hohen Vermittlungsgebühren für einen angeblich sicheren Job.
  • Gib keine Zugangsdaten zu E-Mail, E-Banking, Social Media oder SwissID weiter.
  • Vereinbare mit Familie oder Freunden ein Codewort für Gefahr.
  • Bewahre etwas Bargeld, wichtige Nummern und wenn möglich ein Ladegerät getrennt auf.
  • Wenn eine Unterkunft unsicher ist: Geh weg und hole Hilfe.
  • Bei einem unguten Gefühl musst du kein Angebot annehmen – auch wenn bereits jemand Geld ausgegeben hat.

Notfallplan: Wenn du raus willst

Deine Sicherheit hat Vorrang. Nicht jede Situation erlaubt alle Schritte.

Geh an einen öffentlichen oder geschützten Ort

Zum Beispiel Polizeiposten, Bahnhof mit Personal, Spital, Apotheke, Beratungsstelle oder zu einer Vertrauensperson.

Ruf Hilfe

Bei unmittelbarer Gefahr 117. Für vertrauliche Beratung 142 oder eine spezialisierte Menschenhandel-Stelle.

Sichere Beweise nur, wenn es gefahrlos möglich ist

Nachrichten, Namen, Telefonnummern, Adressen, Fotos, Überweisungen oder Fahrzeugdaten können später helfen. Riskiere dafür nicht deine Sicherheit.

Ändere Passwörter von einem sicheren Gerät

E-Mail zuerst, danach Messenger, Social Media und Bankzugänge. Aktiviere Zwei-Faktor-Schutz, wenn du ihn sicher nutzen kannst.

Lass dich beraten, bevor du Täter kontaktierst

Eine unüberlegte Konfrontation kann die Gefahr erhöhen. Opferhilfe und spezialisierte Stellen planen mit dir die nächsten Schritte.

Sexarbeit, Prostitution und Zwang

Freiwillige Sexarbeit und sexuelle Ausbeutung sind nicht dasselbe.

Selbstbestimmung

Prostitution ist in der Schweiz grundsätzlich erlaubt. Die Regeln unterscheiden sich nach Kanton und Gemeinde. Ausländerrecht, Arbeitsbewilligungen, Meldepflichten und lokale Vorschriften können zusätzlich gelten.

ProCoRe Legal Work: Regeln und persönliche Beratung

Was nicht akzeptabel ist

  • Zwang zu sexuellen Handlungen oder zur Prostitution.
  • Festhalten in der Prostitution.
  • Kontrolle von Ort, Zeit, Umfang oder Bedingungen gegen deinen Willen.
  • Ausnützen von Abhängigkeit, Notlage oder Schulden.
  • Prostitution von Minderjährigen.
Du kannst auch Hilfe suchen, wenn du nicht sicher bist, ob deine Situation „schlimm genug“ ist. Opferhilfe berät kostenlos und vertraulich. Eine Kontaktaufnahme verpflichtet dich nicht automatisch zu einer Strafanzeige.

Anlaufstellen in der Schweiz

Bei akuter Gefahr zuerst 117. Für Beratung kannst du dich auch ohne fertige Beweise melden.

Schweizweit · 24/7

Opferhilfe Schweiz

142

Kostenlose, vertrauliche Beratung. Auf Wunsch anonym. Vermittelt kantonale Beratung und Schutz.

Menschenhandel

ACT212

0840 212 212

Nationale Meldestelle gegen Menschenhandel und Ausbeutung. Meldungen können anonym erfolgen.

Spezialisierter Opferschutz

FIZ Opferschutz Menschenhandel

044 436 90 00

Spezialisierte Beratung und Begleitung für Betroffene von Menschenhandel, insbesondere in der Deutschschweiz.

Sexarbeit

ProCoRe

Schweizer Netzwerk für die Rechte von Sexarbeitenden. Das Legal-Work-Tool führt zu regionalen Fachstellen und persönlicher Beratung.

Ukraine / Schutzsuchende

SEM – Schutz vor Missbrauch

Offizielle Hinweise des Staatssekretariats für Migration für Schutzsuchende, inklusive Informationen auf Ukrainisch.

Kantonale Hilfe

Beratungsstelle in deinem Kanton

Opferhilfe Schweiz listet anerkannte Beratungsstellen nach Kanton sowie Schutzunterkünfte.

Rechtliche Einordnung

Kurz und vereinfacht. Für einen konkreten Fall ist eine Fachberatung sinnvoll.

Offizielle und fachliche Quellen

Stand der Seite: 30. August 2026. Bei Notfallnummern und Rechtsfragen wurden aktuelle Schweizer Quellen verwendet.

Informationen für Ukrainerinnen und Ukrainer in der Schweiz

Weitere praktische Informationen zu Schutzstatus, Alltag, Arbeit, Wohnen und Behörden.